BDM-Young im Bundeskartellamt
Am 12.05.2010 fand im Bundeskartellamt eine öffentliche Anhörung zu den abgegebenen Stellungnahmen zum Zwischenbericht der Sektoruntersuchung Milch statt. Der BDM-Young war mit zwei Vertretern, der Bundesvorsitzenden Ilona Zeimens und dem Agrarpolitischen Sprecher Jürgen Speer, eingeladen und konnte so in einem Statement die notwendigen Maßnahmen zur Stärkung der Milcherzeuger darstellen.
Besonderes Augenmerk legte das Bundeskartellamt auf die Bedeutung der Spotmärkte für die Preisgestaltung zwischen Milcherzeugern und Molkereien. In unserem Statement legten wir Wert darauf, darzustellen, dass der Spotmilchmarkt als ein Indikator für den Preis der Vertragsmilch zu sehen ist. Denn der Preiskurve des Spotmarktes folgt die der Vertragsmilch mit zeitlicher Verzögerung, wobei kurzfristige Preisänderung wie nach dem Milchlieferstopp im Vertragsmilchpreis sich nur sehr marginal widerspiegeln. Zudem sind die Warenströme der Spotmärkte nur Insidern der Molkereibranche zugänglich. Sämtliche Preis und Mengenangaben werden ebenfalls von den Molkereien und Milchhändlern verwaltet, diese nutzen ihre Marktstellung aus und veröffentlichen nur die Daten, welche ihnen einen Marktvorteil, wie z. B. sinkende Milchpreise, sichern.
Der Verbraucher aber auch die Milcherzeuger sind dieser Willkür mittellos ausgeliefert und können sich den Marktmächtigen nur Unterwerfen. Dieses Machtgefälle zu Ungunsten der Milcherzeuger gilt es mittels mehr Markttransparenz auszugleichen. Die Milchbauern müssen den Spotmarkt als Informations- und Verhandlungsinstrument benutzen können um in ihrem eigenen Interesse am Markt teilnehmen und reagieren zu können. Das Angebot muss zukünftig flexibel gestaltet werden, da die Nachfrage nach Lebensmitteln relativ starr ist und nur geringen Schwankungen allerdings mit großen Preisauswirkungen unterliegt.
Ein flexibles Angebot verhindert zwar keine Schwankungen, verringert aber deren Intensität und trägt somit effektiv zur Verhinderung von Milchpreiskrisen wie 2008/2009 bei. Diese Ansicht wurde auch von Herrn Croll einem Betriebswirtschaftlichen Berater geteilt.
Die Einführung eines Erzeugerorientierungspreises (EOP) wurde BBV Oberallgäu und von den Vertretern der AMI in Gespräch gebracht. Ziel des EOP sei es, verlässlichen Milchpreis zu veröffentlichen, nachdem die Milchbauern Ihr Handeln planen können. Das der EOP eine weitere Möglichkeit für Molkereien und Milchindustrie ist den Milchpreis nicht im Bezug auf die tatsächliche Wertschöpfung und Marktlage bilden zu müssen, sondern wieder einen Preisvorschlag erhalten der weit unter den Erzeugungskosten liegt und für die Milcherzeuger keine Preissteigernde Wirkung bietet, wurde von den Befürwortern des EOP nicht bedacht.
Vom Deutschen Raiffeisenverband wurde wie auch in der Vergangenheit darauf verwiesen, dass die Vorstände der Genossenschaftsmolkereien von den Milcherzeugern gewählt sind und somit die Milcherzeuger als Anteilseigner der Genossenschaft für den Erfolg und auch für die Höhe des Milchauszahlungspreises verantwortlich seien. Die Tatsache, dass das operative Geschäft häufig ausgelagert ist und dadurch die Vorstände sehr wenig Einblick und dem entsprechend wenig Einfluss in den Molkereien haben ist zwar bekannt wird aber immer noch ignoriert.
Gerhard Metz und Gerd Heinze vom Milchboard erklärten die Ziele des Milchboards im Hinblick auf die Bündelung der Milcherzeuger. Es müssen verkaufsregeln etabliert werden, wie es in anderen Wirtschaftsbereichen ganz normaler Alltag ist. Um die Milchbauern einen Schritt nach vorne zu bringen muss die Milchpreisbildung auch die Kosten der Milcherzeugung berücksichtigen und nicht upside down, sondern bottom up (vom Milcherzeuger ausgehend) gebildet werden.
Unter allen Anwesenden bestand darin, dass die Milcherzeuger das schwächste Glied in der Milchbranche sind und Ihre Marktposition dringend gestärkt werden muss.
Bleibt der Gesamtbericht des Bundeskartellamtes abzuwarten und dessen Ergebnisse müssen wir Milcherzeuger zu unseren Gunsten nutzen um unsrer Position zu verbessern. Es mag kein großer Schritt sein aber es wird ein Schritt in die richtige Richtung sein, einer von Vielen zum Ziel.
Jürgen Speer