Der faule Bauer
“Liebe Bauern und Subventionsempfänger,
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Ich möchte mich kurz vorstellen: Ich bin Bauer, bewirtschafte 1/3 Eigentum und 2/3 Pachtflächen. Ich lebe von Agrarsubventionen und von meiner Frau, die geht arbeiten, weil wenn ich immer auf dem Sofa liege, das kann sie nicht mitansehen.
Kinder habe ich auch, vier Stück, die gehen in die Schule und helfen auf dem hof, beides nicht freiwillig, aber auch nicht unfreiwillig. Und neben der Milchwirtschaft un dem Ackerbau betreibe ich noch eine Gästeherberge und quasi ein Altersheim.
In letzterem leben Oma und Opa. Oma ist die, die alles aufrecht erhält und für den ungehemmten informationsfluss von und zur Verwandtschaft und Dorf sorgt.
Opa, eben mein Vater, ist auch ein fauler Bauer, er weigerte sich einfach, als ich ihm einen Besenaufsatzan den Rolator bauern wollte, damit er noch nebenbei den Hof kehren kann.
Auf die Idee den Brief hier zu schreiben, kam ich, als ich mal wieder von Kollegen hörte, was sie alles leisten. Ich dagegen habe öfters Schmerzen in den Leisten, wohl vom vielen Liegen.
Ich habe bloß 35 Milchkühe, wenn ich es aber mal auf eine Bauernversammlung schaffe, dann rede ich aber auch lieber von 90 Tieren und lasse weg, dass dies inklusive der Jungtiere ist, weil dann weiß ja jeder gleich, dass ich ein fauler Bauer bin.
Ein guter, fleißiger Bauer hat mindestens 70 Milchkühe und einen Roboter, bei manchen ist es auch die Ehefrau.
Auch bei der täglichen Arbeit tue ich mich schwer, ich fange um 7 Uhr an und bin trotzdem nicht vor 20 Uhr fertig und wenn ich dann noch um 21 Uhr ins Büro gehe, übermannt mich oft die Faulheit und ich schlafe dann auch ohne Sofa – nur so am Schreibtisch. Das ist wirklich schön und entspannend, wenn man so sein eigener Herr ist und tun und lassen kann, was man will. Deshalb bin ich ja auch Bauer geworden.
Ja, zurück zu den Wurzeln, ich meine, in den Stall, den Kuhstall. Ich brauche da immer viel länger als meine Berufskollegen, weil ich so langsam bin. Die meisten Kühe, die ich habe, sind schneller als ich. Wenn ich zum Beispiel im Melkstand stehe und eine Kuh über mir lässt ihren olivfarbenen tierischen Abgang ab, dann bin ich oft zu langsam und stehe dann im Dunkeln, deshalb brauche ich wohl so lange.
Es gibt Kollegen, die reinigen ihren Melkstand in 10 Minuten – all inclusive. Das schaffe ich einfach nicht. Die streuen auch 60 Liegeboxen mit Stroh per Hand in 10 Minuten ein, ohne zu schwitzen. Ich schaffe das nicht unter einer Stunde und dann muss aber alles glatt gehen und nicht wie jetzt, wo ich erst mal eine Stunde Eis klopfen muss, um die Tore zu öffnen oder wen die Kühe nicht spuren.
Und so gibt es nochEiniges, z.B. das Ohrmarken-Einziehen bei den Kälbern, da gibt es Kollegen, die ohrmarken in 5 Minuten 20 Stück und ich schaffe in 20 Minuten nur fünf Stück und bin dann noch froh, wenn die Marken mit gleicher Nummer auch an einem Kalb sind.
Da leg ich mich doch lieber auf mein Sofa.
Neulich als ich dort lag, klingelte es an der Sprechanlage, meine Frau ging ran, es waren die Ohrmarkenkontrolleure von Cross Complience. Was ein Glück, dass meine Frau so gerne Geschichten erzählt, so konnte ich durch den Hinterausgang fliehen und kam völlig aßer Atem in dem 400m entfernten Stall an und konnte dort noch die 2 zehn Tage alten Kälber ohrmarken. Die Hälfte musste ich sofort wieder abknipsen, weil die gleichen Nummern auf 2 Kälber verteilt waren.
Nun, meine Frau erzählt gerne und die Kontrolleure waren froh, wenn mal jemand nett ist. So hatte ich auch Zeit, wieder in Atem zu kommen und die Kontrolle war wunderschön und in Ordnung.
Ich könnte hier stundenlang weiter berichten, aber vielleicht gibt es ja noch mehr faule Bauer oder gar Bäuerinnen. Faule Bäuerinnen müsste es eigentlich ohne Ende geben, weil ja die Kollegen mit 50 bis 200 Kühen ihre Betriebe mit 400ha ganz alleine bewirtschaften und die Frauen/Ehefrauen dort ja nciht arbeiten, auch nicht außerhalb des Betriebes. Viele Betriebe sind so modern, da macht der Melkroboter auch die Buchführung und den Haushalt.
Ich hab mal gelesen – in einer Science-Fiction-Erzählung war das allerdings – da kriegte der Melkroboter auch die Kinder.
Ich würde mich freuen über Leserbriefe an “BDM aktuell”, damit ich nicht so alleine bin auf meinem Sofa und vielleicht fällt mir dann noch was ein.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Lazy Rollnik”
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Erschiene in der “BDM aktuell” Ausgabe 03/2010
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